Flächenknappheit bleibt Herausforderung

Die Initiative Logistikimmobilien (Logix) führte auf der digitalen Fachmesse transport logistic 2021 am 04. Mai das Online-Diskussionsforum „Let’s talk logistics“ durch. Unter dem Titel „Zusätzlicher Druck durch Near Sourcing, Brexit und veränderte Lieferketten – verschärft sich die Flächenknappheit in Deutschland?“ diskutierten Branchenvertreter über die Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie des Brexit auf die Flächennachfrage auf dem deutschen Logistikimmobilienmarkt.

Uwe Veres-Homm, Geschäftsfeldkoordinator Logistik, Transport und Mobilität, Fraunhofer Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS, eröffnete das Forum mit einem Impulsvortrag über die Entwicklungen der Logistikimmobilienbranche während der Corona-Pandemie und die Auswirkungen der Krise auf die mit der Logistik eng verbundenen Branchen wie Handel und Automobilindustrie.

„Seit Jahren verzeichnet der Markt ein ungebrochenes Wachstum. Die Verschiebung des stationären Handels zum E-Commerce wurde durch die Corona-Krise zusätzlich befeuert. Diese Entwicklung wird die Flächennachfrage auch in Zukunft nach oben treiben“, prognostizierte Veres-Homm.

Sebastian Ott, Director Investment Germany, Segro, bestätigte diesen Trend aus der Sicht des Projektentwicklers und Investors: „Für den Logistikimmobiliensektor war 2020 ein Erfolgsjahr. Wir rechnen damit, dass diese Entwicklung auch langfristig anhält. Schon jetzt sehen wir im Rahmen des Brexit, dass es sowohl auf Seiten der EU- als auch von Großbritannien eine massive Nachfrage nach Logistikfläche gibt, die kaum zu bewältigen ist.“

Dr. Claus-Peter Amberger, Vorstand Loxxess AG, hingegen sah langfristige Bestrebungen zu einem Aufbau regionaler Produktions- und Bevorratungsstrukturen im Rahmen einer europaweiten Near-Sourcing-Strategie skeptisch: „Logistik ist als Bindeglied zwischen Verbraucher, Handel und Hersteller mit Druck auf die Waren- und Lieferketten vertraut. Zu den gängigen Strategien gehört deshalb heute schon die Suche nach weiteren Sourcing-Partnern sowie der Ausbau von Pufferzonen. Die Vorteile der internationalen Beschaffungsmärkte werden jedoch auch zukünftig aufgrund des hohen Preis- und Margendrucks innerhalb der Branche bestehen bleiben.“

Kuno Neumeier pflichtete dem bei: „Lieferketten, die über Jahrzehnte hinweg gewachsen sind, können nicht von heute auf morgen aufgegeben werden.“ Der CEO der Logivest Gruppe sowie Sprecher des Themenkreises Logistikimmobilien der BVL (Bundesvereinigung Logistik), betonte gleichzeitig die entstandene Chance für die Kommunikation von Ansiedlungsvorhaben gegenüber den Kommunen: „Die starke Rolle der Logistik innerhalb der Pandemie zeigt, dass ohne funktionierende Waren- und Lieferketten die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung nicht funktioniert. Dazu bedarf es aber neben den nötigen Logistiknetzwerken und -strukturen auch die passenden Flächenangebote von den Kommunen und Gemeinden, um diese Versorgungsleistung zu ermöglichen.“

Dr. Malte-Maria Münchow, Sprecher der Initiative Logistikimmobilien (Logix) sowie Leitung An- und Verkauf Spezialimmobilien, Deka Immobilien Investment GmbH, zeigte sich erfreut über die lebhafte Diskussion: „Die Debatte zeigt, dass die Flächenknappheit zu einer der größten Herausforderungen der Logistikimmobilienbranche gehört. Als Logix wollen wir zu einer objektivierten Diskussion rund um den Themenkomplex Logistikimmobilien beitragen und setzen dabei auch auf den Dialog mit den Kommunen. Denn diese haben für den Ausbau einer zuverlässigen logistischen Infrastruktur eine herausragende Bedeutung“.

Gemeinsam mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) führte Logix Ende 2020 eine Umfrage unter Kommunen in ganz Deutschland zu Logistikimmobilien durch. Die Ergebnisse liegen seit Anfang 2021 in dem vom DStGB veröffentlichen Berichtsband „Logistik in der Kommune vor“. Dieser kann – wie alle Logix-Publikationen – unter www.logix-award.de/forschung kostenlos heruntergeladen werden.

2021-05-15T20:11:40+00:00Mai 15th, 2021|LogRealCompetence – Ausgabe 24|