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Logistikimmobilien trotzen der Krise

Im ersten Halbjahr 2020 wurde am deutschen Industrie- und Logistikimmobilienmarkt ein Flächenumsatz von rund 2,95 Millionen Quadratmetern verzeichnet. Verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019 ist dies ein Rückgang um 10,7 Prozent. Diese Entwicklung ist jedoch vor allem auf das erste Quartal 2020 zurückzuführen, dessen Anteil am Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2020 lediglich 45 Prozent betrug. Für sich genommen lag der Flächenumsatz des zweiten Quartals 2020 sogar sechs Prozent über dem laufenden Durchschnitt aller zweiten Quartale der vergangenen zehn Jahre. Unabhängig davon ging der Flächenumsatz von Eigennutzern im Vorjahresvergleich um 18 Prozent zurück. Derweil blieb der Flächenumsatz in Neubauten 2,05 Millionen Quadratmeter annähernd stabil. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des globalen Immobiliendienstleisters CBRE.

„Tatsächlich hat sich die Corona-Pandemie nur sehr gering auf den Markt ausgewirkt. Weder gab es eine massive Flächennachfrage, noch hat die Krise zu einem Nachfrageeinbruch geführt. Damit unterscheidet sich die aktuelle Situation deutlich von jener der letzten Krise 2008 und 2009, als die Nachfrage spürbar nachließ“, sagt Rainer Koepke, Head of Industrial & Logistics bei CBRE in Deutschland.

Dass das zweite Quartal ein dynamischeres Marktgeschehen aufweist, überrascht dabei nicht. Denn nach dem Winterende werden meist im zweiten Quartal viele Neubauprojekte von Eigennutzern begonnen – der Zeitpunkt, an dem Neubauprojekte dann in der Statistik verzeichnet werden. Dies gilt auch für den größten Einzeldeal im ersten Halbjahr. Zwar war die Anmietung von 137.800 Quadratmetern durch Krauss Maffei in Vaterstetten, die von CBRE vermittelt wurde, bereits länger bekannt, sowohl Baurecht als auch Baubeginn entfielen jedoch erst auf das zweite Quartal 2020. Diese Anmietung war zugleich ausschlaggebend für den massiven Anstieg um rund 271 Prozent im Marktgebiet München, verglichen mit dem ersten Halbjahr 2019. Deutliche Rückgänge hingegen gab es in Berlin (minus 48 Prozent) – wobei der Markt der Hauptstadt im Vergleichszeitraum des ersten Halbjahrs 2019 besonders dynamisch war. Die Aussichten für Berlin sind jedoch positiv. „Zusammen mit dem Ruhrgebiet ist Berlin unserer Meinung nach der zukunftsträchtigste Markt in Deutschland. Denn hier gibt es noch mehrere Bauvorhaben und Entwickler stehen für weitere Projekte in den Startlöchern“, sagt Koepke.

Vor allem bei dem Vergleich der verschiedenen Nutzergruppen waren im ersten Halbjahr Auswirkungen von Corona festzustellen. Während der Flächenumsatz mit sechs Prozent im Handel am geringsten ausfiel, ging er bei Logistikdienstleistern um zwölf Prozent und bei Unternehmen aus der Produktion um 19 Prozent zurück. „Logistikdienstleister mit Handelskunden sind bisher meist gut durch die Krise gekommen – wer hingegen für die Industrie und speziell die Automobilbranche tätig ist, hat es in der Regel momentan schwerer“, erläutert Koepke.

Bei den Mieten gab es keine Veränderungen. „Das Mietniveau ist stabil, da die Nachfrage nicht eingebrochen ist, es keine großen Leerstände gibt und der Flächenmangel weiterhin akut ist“, so Armin Herrenschneider, Co-Head of Industrial & Logistics bei CBRE in Deutschland. Die durchschnittliche Spitzenmiete der Top-5-Märkte liegt aktuell bei 6,29 Euro pro Quadratmeter und befindet sich damit auf dem gleichen Niveau wie im ersten Quartal 2020. Verglichen mit dem zweiten Halbjahr 2019 ist dies ein Anstieg um 0,8 Prozent.

Ein deutlicher Trend zu Mietverträgen mit kurzen Laufzeiten hat sich im zweiten Quartal nicht bestätigt. Zwar gab es vereinzelt entsprechende Anmietungen, marktprägend waren sie jedoch nicht. „Viele Vermieter setzen angesichts der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung eher wieder stärker auf langfristige Verträge“, so Koepke.

2020-07-26T09:46:49+00:00Juli 26th, 2020|LogRealCompetence – Ausgabe 20|