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Erleidet die Logistik gerade einen Infarkt?

Der positive Trend im eCommerce setzt sich ungebremst fort – jährliches Wachstum von 10 % in Deutschland und  15 % in Österreich im letzten Jahr. Was resultiert daraus  für die Logistik und die Paketdienste? Das war das Thema des eCommerce Logistik-Day, den das Institut des Interaktiven Handels aus Berlin in Wien veranstaltete – unterstützt von DHL und der EMA GmbH.

Die KEP-Branche  (Kurier, Express und Paket)  platzt aus allen Nähten. Ein Wachstum von 10 % im Online-Handel bedeutet gesamtheitlich einen Sendungszuwachs von jährlich 6 – 7 %. Viele Branchen wären mit solchen Wachstumsraten glücklich – nicht so die Paketdienstleister, denn der Preis, den die Branche pro Paket realisieren kann, ist während der letzten Jahre kontinuierlich gesunken. Nicht nur Amazon und Zalando sorgen für die Paketflut, sondern der gesamte Online-Handel boomt. Österreich rangiert mit einem Online-Pro-Kopf-Umsatz von etwa € 890,- pro Jahr an vierter Stelle in Europa – und hat damit Deutschland (€ 680,-) mittlerweile überholt.

Was bedeutet dieses für die Logistiker? Bernd Kratz, Gesellschafter des Instituts des Interaktiven Handels und Moderator der Veranstaltung stellte provokativ fest, dass „die Logistik vor einem Infarkt steht und Wachstumsbremse für diesen Vertriebskanal wird. Operative Hektik einiger Logistiker in der Realisierung neuer Abwicklungen führt oftmals zu einem kontraproduktiven Ergebnis“ – dieses bestätigten auch Wolfgang Minarik und Gerhard Anzinger, die Logistikexperten von Arbor und Anzinger: „Es gibt meistens nicht ein optimales Logistiksystem, sondern die Kombination mehrerer Techniken stellt die Lösung  dar – und es bedarf einer genauen Analyse und Planung“. Hochkarätige Spezialisten der Intralogistik, Rainer Buchman/Dematic, Bernd Stöger/Knapp, Andreas Blümel/topsystems und Dieter Berz-Vöge/GreyOrange stellten diverse innovative Systeme vor. Bernd Kratz warnte, dass ein reibungsloses  Zusammenspiel verschiedener Systeme – die Schnittstellen -funktionieren müssen „ich spreche hier nicht von Schnittstellen – schließlich wollen wir ja nichts zerschneiden, sondern unterschiedliche Systeme passend vernähen. Es sind also Nahtstellen“. Uwe Ratajczak, Geschäftsführer der KNV Logistik GmbH präsentierte dieses anhand einer der wohl größten europäischen Medien-Logistik-Betriebe. Über 1 Million verschiedener Buchtitel, Versand an 7.000 Buchhändler im deutschsprachigen Raum overnight und darüber hinaus die Bearbeitung der Bestellungen aus dem eCommerce verlangten nach einem Logistikkonzept aus diversen unterschiedlich stark automatisierten Komponenten „Ja, wir haben auch noch manuell betriebene Regalstrukturen in unserer ansonsten hoch-automatisierten Logistik in Erfurt, aber nur wenige – der Rest ist automatisiert“, so Ratajczak.

Die neuen Kundenerwartungen auf der letzten Meile, die Paketzustellung beim Empfänger, beleuchtet Günter Birnstingl, als CEO bei DHL Paket verantwortlich für Österreich und die Schweiz. Hier wird zunehmend hohe Flexibilität gefragt „Eine Entscheidung, ein Paket noch umzurouten, kann auch schon einmal in der letzten Stunde fallen“ – und dann muss hochflexibel, während der Paketzusteller schon auf dem Weg ist, die Zustelladresse geändert werden können.  Michael Löhr, Founder von Tiramizoo setzte dann den internationalen Hut der Belieferung auf. Um die, so Löhr, „Flächenleistung im stationären Handel zu steigern, muss auch die Zustellung in den Handel schneller und flexibler gestaltet werden“. Dieses zeigte er anschaulich an einem Beispiel der Digitalisierung der Prozesse in Manila auf, die Tiramizoo in den Philippinen vorangetrieben hat.

Aus diesen neuen Anforderungen des Handels und der Logistik, der Urbanen Logistik, Automatisierung, Einsatz von Robotic ergeben sich zwangsläufig neue Gestaltungen der Logistikimmobilien. Während bislang Logistikhallen mit 10 – 12 Metern lichter Höhe der Standard waren, erkennen wir zunehmend die Notwendigkeit nach Logistikzentren mit mehreren Stockwerken, auf denen sich dann Roboter autark bewegen, so präsentierte Christian Vogt von DLH Real Estate Austria die Entwicklung. Und genau Robotik – hier waren sich die meisten Teilnehmer einig, wird Einzug halten müssen in die Logistik: In Deutschland nimmt die Arbeitslosenquote kontinuierlich ab. „Einerseits ist diese Entwicklung am Arbeitsmarkt für die Wirtschaft sehr erfreulich, andererseits haben wir in Deutschland binnen 10 Jahren über 1 Million weniger Arbeitslose“, so Bernd Kratz. „Wir erkennen einen zunehmenden Fachkräftemangel auch im gewerblichen Bereich – und so wird nur der Einsatz von Robotik diverse Standorte in Deutschland noch sichern“. Fehlende Arbeitskräfte – dieses ist eine Chance, Arbeitsplätze für Behinderte zu gestalten. In der Podiumsdiskussion nannte Rainer Buchmann das Drogerieunternehmen Walgreens als beispielhaft: Ein Versandzentrum in den USA wurde so entwickelt, dass es vielen behinderten Menschen, auch mit Down-Syndrom, einen Arbeitsplatz bietet. In Deutschland setzen sich solche Konzepte infolge der Arbeitsgesetzgebung für die Beschäftigung von Behinderten nicht durch – „Hier ist die Politik gefragt“.

2018-11-19T12:11:52+00:00November 19th, 2018|LogRealCompetence – Ausgabe 7|